Zweites Deutsches Fernsehen, 14.47 Uhr. Mario Kotaska hat gerade von 10 auf 0 gezählt. Ganz fertig sind die Gerichte seiner kochenden Kandidaten noch nicht, eilig schneiden sie noch ihr Rumpsteak in Scheiben und richten es auf einem Teller an.

Es läuft „Die Küchenschlacht“, eine von zwei recht belanglosen, aber für das Zielpublikum wohl unterhaltsamen Kochsendungen, mit denen das ZDF nachmittags sein Programm füllt. Die zweite dieser Sendungen, „Topfgeldjäger“, folgt fast unmittelbar im Anschluss an die erste, nur unterbrochen von einer fünfminütigen „heute“-Ausgabe.

Da die beiden Kochsendungen exakt das selbe Zielpublikum ansprechen, wollen die Produzenten natürlich den Audience Flow so gut wie nur möglich ausnutzen. Um das zu erreichen, hat sich die Produktionsfirma Fernsehmacher GmbH, die für beide Shows verantwortlich ist, etwas Tolles überlegt. Während Kotaskas Kandidaten ihre Teller anrichten, gibt es einen schnellen Teaser auf die folgende Ausgabe der Topfgeldjäger.

Dazu schaltet der Küchenschlacht-Moderator „rüber ins Topfgeldjäger-Studio“, so wie wir das ja beispielsweise auch vom sonntäglichen Übergang von Günther Jauch zu den Tagesthemen kennen.

Diese Schalte hört sich beispielsweise so an (ab 28:20):

Mario Kotaska: „Ein Blick rüber zu Alexander Hermann. Alex, du siehst, wir haben eine Menge Spaß. Was geht denn heute bei dir ab, bitte?“
Alexander Hermann: „Ja hallo, lieber Mario. Natürlich wünsch ich dir auch weiterhin viel Spaß bei der Küchenschlacht und ich freu mich nachher hier auf die Topfgeldjäger und gerne kannst du wieder mit dabei sein. Ich weiß, dass du’s gern mit anschaust […]. Liebe Grüße zu dir, Mario. Bis später.“
Mario Kotaska: „Ja Alex, bis später!“

Oder so (ab 28:25):

Mario Kotaska: „Während jetzt meine Kandidaten hier wirklich die letzten Handgriffe fertig machen, werfen wir doch mal einen kleinen Blick rüber ins Topfgeldjäger-Studio. Lieber Alexander, ich sende dir ganz liebe Grüße! Wir sind hier mitten in der Qualifikationswoche. Guten (sic!) Wochenstart, bei dir auch?“
Alexander Herrmann: „Hallo Mario, vielen herzlichen Dank für deine Grüße, die möchte ich natürlich zurücksenden. […]“

Soweit, so gut. Doch die Reaktion von Topfgeldjäger-Moderator Alexander Hermann wirkt irgendwie bei jeder der Schalten etwas unnatürlich. Nun gut, der Mann ist ja von Haus aus Koch und kein Moderator, aber trotzdem klingen seine Antworten nicht so, als würde er jemandem antworten.

Möglicherweise liegt das daran, dass die nächsten Ausgaben der Küchenschlacht am 18.12., 19.12., 20.12., 21.12. und 22.12. aufgezeichnet werden, die der Topfgeldjäger jedoch schon am 10.12., 11.12., 12.12. und 13.12.

Bei der Fernsehmacher GmbH hat man also entweder die Fernsehschalten-Zeitmaschine erfunden. Oder die Schalten sind schlicht aufgezeichnet. Eine Aufzeichnung in der Aufzeichnung quasi. Aber diese mit voller Konsequenz. Besonders skurril wurde es am vergangenen Montag, als Alexander Hermann dem „zugeschalteten“ Mario Kotaska seine „bezauberndste Regiestimme im deutschen Fernsehen“ präsentierte (ab 28:45):

Alexander Hermann: „Delia, sag mal was Schönes zum Mario und zu mir.“
Delia: „Hallo lieber Mario, ich freue mich dich auch in der Sendung begrüßen zu können. Und Alexander, machst du bitte weiter.“