Riesen-Aufregung am Ende der letzten Rising Star-Sendung: Die ausgeschiedenen Kandidaten Micky und Gustavo lassen durchblicken, dass sie lieber einen anderen Song gesungen hätten. Es steht der Vorwurf im Raum, dass den Musikern bei „Rising Star“ ihre Songs aufgezwungen werden. Doch wie läuft die Auswahl der Casting-Songs bei anderen Formaten? Wir haben mit ehemaligen Teilnehmern von „Deutschland sucht den Superstar“, „The Voice“ und weiteren Casting-Shows gesprochen – und interessante Einblicke erhalten.

Deutschland sucht den Superstar: „Öfter Frustration mit der Songwahl“

Wie in den meisten Castingshows gibt es auch bei „DSDS“ einen musikalischen Leiter, der sich mit den Kandidaten zum so genannten „Songfinding“ trifft. Uns erzählt ein ehemaliger Top 10-Kandidat von seinen Erfahrungen. Da er wegen des DSDS-Vertrags nach wie vor eigentlich nicht über die internen Abläufe sprechen darf, möchte er anonym bleiben.

„Zum Songfinding für die Live-Shows konnte man seine eigenen Vorschläge mitbringen. Dann wurde einem vom Produktionsteam gesagt, welche Songs nach deren Meinung zu einem passen oder nicht“, berichtet der Ex-Kandidat. Seine Erfahrungen zeigten: So lange man sich zur Wehr setzte, bekam man auch keinen Song aufgezwungen. Einmal wurde ihm ein Song nahegelegt, mit dem er auf keinen Fall auftreten wollte. „Da habe ich gesagt, bevor ich diesen Song singe, steige ich aus.“

Bei seinen Casting-Konkurrenten habe er aber auch festgestellt, dass manche noch nicht so reif waren oder den Willen hatten, dagegen zu reden. „Wenn man zu einem 18-jährigen sagt, der Song wäre total gut für ihn, obwohl er eigentlich gar nicht zu seiner Stimme passt, dann glaubt er tatsächlich, dass es gut ist. Entsprechend gab es auch bei uns im Nachhinein öfter Frustration mit der Songwahl.“

The Voice of Germany: Die einen so, die anderen so

Die ehemaligen Kandidaten der ProSieben/Sat.1-Castingshow „The Voice of Germany“ haben unterschiedliche Erfahrungen beim Songfinding gemacht.

Yasmina Hunzinger schaffte es in der ersten Staffel bis in die Liveshows und war zufrieden: „Ich habe mich damals nie zu irgendwas gezwungen gefühlt und habe immer klar und freundlich kommuniziert wenn ich mich in etwas nicht gesehen habe.“

Ganz ähnlich hat die Halbfinalistin Sharron Levy die Show erlebt: „Die Entscheidung haben immer ich, der Coach und ein Berater zusammen getroffen.“ Die Produktionsfirma habe zwar auch mal andere Ideen für sie gehabt, aber ihr Coach habe sich in solchen Fällen für den Willen der Kandidaten eingesetzt.

Eine andere Erfahrung musste Ramona Nerra machen, die ebenfalls an den Liveshows teilgenommen hat. Ein einziges Mal habe sie es geschafft, ihre Coaches von ihrem gewünschten Song zu überzeugen. „Freie Songauswahl ist ein totaler Luxus“, sagt Ramona.

X Factor: „Ich hatte mehrmals Ärger“

Die Sendung läuft zwar inzwischen nicht mehr, doch der ehemalige „X Factor“-Kandidat Martin Madeja erinnert sich noch gut an die Songfinding-Probleme bei dieser Castingshow. „Man bekam jede Woche eine Auswahl von drei Liedern, von denen die Produktion dachte, sie würden gut zu einem passen“, erklärt Martin. „Ich persönlich hatte mehrmals Ärger. Es kam nämlich oft vor, dass mir keiner der vorgeschlagenen Songs zusagte und ich mich somit mit den zuständigen Leuten in die Haare bekam.“ Auch bei ihm war es einmal soweit, dass Martin drohte, in der nächsten Sendung nicht aufzutreten. Am Ende wurde er Siebter.

Es geht auch anders: „Unser Star für Oslo“

Dass es anscheinend auch anders geht, beweist „Unser Star für Oslo“, aus dem 2010 Lena Meyer-Landrut als Siegerin hervorging und anschließend den Eurovision Song Contest gewann. Die Halbfinal-Teilnehmerin Kerstin Freking durfte ihre Songs immer selbst aussuchen. „Soweit ich es damals überblicken konnte, war es auch der Anspruch an die Teilnehmenden, dass sie selbstständig passende Songs auswählen“, sagt sie. Wer sich unsicher war, habe sich aber immer mit dem Chef der Band Heavytones beraten können und „der hat dann auch mal beherzt von einem Song abgeraten.“

Dass die Kandidaten die absolute Freiheit über die Songauswahl haben, scheint aber in deutschen Castingshows tatsächlich die Ausnahme zu sein. Auch wenn die Macher der Sendungen wohl selten direkt ein bestimmtes Lied vorgeben, sie versuchen nach den Angaben der Ex-Kandidaten zumindest, die Wahl zu beeinflussen – mal mehr, mal weniger stark.

Dieser Text erschien zuerst im TV-Blog auf Arcor.de.